Ausschau halten

Lange schon ist die Reise nach Island geplant, das Kernstück soll ein Tagesausflug nach Landmannalaugar mit seinen einzigartigen farbigen Rhyolitbergen sein. Am Vortag erreicht uns die Nachricht, dass die Tour wegen Schnee abgesagt werden müsse. Enttäuscht buchen wir eine Fahrt in den Nationalpark Þórsmörk, der etwas südlicher liegt. Das Wetter lässt zu wünschen übrig: es ist kalt, regnet zeitweise und die Wolken hängen bis in die Ebene herab. Die beiden angrenzenden Gletscher, unter denen namhafte Vulkane liegen, lassen sich kaum erahnen. Hier stehen wir nun für mehrere Stunden in nasser Abgeschiedenheit bis uns der Bus wieder abholt. 

Wir stapfen durch die Gegend, als ich mich plötzlich an einen Ausspruch von Nora Bateson erinnere:  It's so hard to see things, if you are not looking for them. - Ich beginne Ausschau zu halten. Ich beuge meine Knie und entdecke bunte Flechten, zarte Pflänzchen mit Wassertropfen gekrönt und ... Steine. Ich nehme den ersten zur Hand, dann den zweiten und staune: es ist Tuff, ringsum nur junger Tuff.  

Am Fuße des Eyjafjallajökull, der im Frühling 2010 mit seinem Ausbruch den europäischen Flugverkehr lahmlegte, sammle ich vor meinen Füßen runde Relikte dessen, was vor fünf Jahren noch im Innersten unserer Erde schlummerte. Sie sind wohl mein kostbarstes Reisesouvenir. Sie erinnern mich daran, den Blickwinkel zu verändern und achtsam zu sein für jenes, was an Wunderbarem direkt vor meinen Füßen auf mich wartet.

Dr.in Monika Udeani - Leharstraße 10, 4020 Linz - +43 (0) 676 49 34 103 - info@organisationsberatung-udeani.at