Begriffe formen Bilder formen Begriffe ...

Wo endet ein Wald und wo beginnt die Wiese? Die Wurzeln und Äste der Bäume gehen in den Bereich der vielfältigen, dichten Gräser über und die Gräser wachsen da und dort bis an die Baumstämme heran. Was wir in unserer Sprache unterscheiden - oder mittels eines Zauns abgrenzen -, ist mehr Ausdruck unseres schematisierenden Denkens, als der Verflochtenheit der Natur. Für Nora Bateson sind es diese Überlappungen, die Orte des wechselseitigen Lernens sind.* Bitte, erlauben Sie mir, diese Erkenntnis auf Organisationen zu übertragen.

Wer klassisch ein Organigramm entwirft, zeichnet separate Felder, die mittels kürzerer und längerer Linien (hierarchisch) zueinander in Verbindung gesetzt werden. Stellen- und Aufgabenbeschreibung können exakt auf die einzelnen Felder hin formuliert werden. In der Folge konkretisieren formale Regeln, wie diese interagieren. - Können die Beteiligten (Funktionsträger*innen, Abteilungen, Bereiche) tatsächlich so unabhängig voneinander ihr Ding machen? Wie oft hakt es an der "internen Kommunikation" oder wird der Wunsch nach "kurzen Wegen" geäußert? Oftmals gleichen informelle Gepflogenheit aus, wo das Regelwerk zu kurz greift. Es liegt in der individuellen Balancekompetenz der Beteiligten, als zusammengehörig zu erweisen, wo laut Begriff und Bild klar definierte Abstände dominieren.

Also vielleicht weg mit den Linien und alle rücken zumindest grafisch näher zusammen?  Statt der Linien bleiben punktuelle Schnittstellen, deren Übergänge mittels detaillierter Checklisten und Trainings für immer spezifischere Situationen gemanagt werden sollen. Die Handbücher werden dicker, die Bedrängnis angesichts von Beschleunigung in Gesellschaft, Wirtschaft, Technik, Forschung ... kombiniert mit unvorhersehbar eintretenden Ereignissen nimmt zu - das Bild von nur punktuell Auf-Einander-Bezogenen überwiegt.

Und nur einmal angenommen ... wir würden Nora Batesons Bild von den Überlappungen folgen, was ist dann anders? Welche Lernprozesse ergeben sich daraus? Worauf gilt es im Besonderen zu achten? Welchen Stellenwert erhalten kontextspezifische Abstimmungsprozesse innerhalb der Organisation oder mit Kund*innen, Kooperationspartner*innen ...? Wer wird über längerfristige oder akute Neuausrichtungsprozesse informiert oder ist eingebunden? Agile Organisationsformen bieten dafür bereits viele Anregungen. Vielleicht fällt Ihnen ja noch etwas ganz anderes ein ... Und falls es nächstes Mal in der "internen Kommunikation" oder an einer "Schnittstelle" ungemütlich wird, vielleicht möchten Sie Ihre Organisation einmal anders zeichnen.

* https://norabateson.wordpress.com/2015/11/03/symmathesy-a-word-in-progress/