3. Mit der prinzipiellen Möglichkeit rechnen

Auf der Suche nach Lösungen lohnt es sich, sich daran zu erinnern, dass wir uns manchmal selbst im Weg stehen.  

Mit einer Freundin besuchte ich im Linzer Schlossmuseum die Ausstellung "Andy Warhol bis Cindy Sherman". Gleich im Eingangsbereich kamen wir vor Roy Lichtensteins "Wallpaper with Blue Floor Interior, 1992" zu stehen. Für mich als Kunstunerfahrene ganz nett anzusehen und klar identifizierbar: Ein Wohnzimmer mit Couch, blau gemustertem Teppich, einer Pflanze, ein paar Lampen und Kissen samt markanter Tapete. Wir setzten unseren Rundgang fort und betrachteten so manch anregendes Kunstwerk. Nach gut einer Stunde kehrten wir zum Ausgangspunkt zurück und stiegen die Treppe in Richtung Ausgang hinauf. Irgendetwas veranlasste mich, mich umzudrehen und nochmals einen Blick auf Lichtensteins Bild zu werfen. Wow, jetzt entdeckte ich erst den flächendeckenden Wandspiegel im Wohnzimmer − angedeutet mit ein paar parallel verlaufenden schrägen Linien. Und im Wandspiegel gespiegelt konnte ich einen deutlich größeren Ausschnitt des Wohnzimmers sehen! Ich hätte mich kaum gewundert, wenn auch ich als Betrachterin darin aufgetaucht wäre.  

Oft ist jenes, das uns begegnet, klar, bekannt und vertraut oder wird klar, bekannt und vertraut gemacht. Mit einem raschen Blick und einer souveränen Zuordnung gehen wir davon aus, erfasst zu haben, was es zu erfassen gilt und treffen unsere Schlussfolgerungen. Das ist im Alltag lebensnotwendig. Wer allerdings nach Lösungen sucht, braucht etwas, das außerhalb des bisherigen Spektrums liegt, sonst bestünde kein Bedarf für eine Lösung.

Wie lässt sich aber aus dem gewohnten Spektrum aussteigen? Ein Positionswechsel kann bereits einen Unterschied machen: In die Knie gehen oder auf einen Sessel steigen würden Ihnen Fotografen empfehlen. Sich in die Haltung des Staunens und Fragens zu begeben, von anderen Menschen und deren Perspektive zu lernen, vorgefasste Grundsätze zu hinterfragen, mit bunten Mehrdeutigkeiten zu rechnen und ihnen genauer nachzugehen wären weitere Formen, die auszuprobieren es sich lohnte.

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